Fedora 10 vs. Windows 7

By | Februar 17, 2009

Nachdem ich im Laufe der Jahre immer wieder alle möglichen Betriebssysteme und Linux-Distributionen angeschaut habe, möchte ich meine jüngste Erfahrung in dieser weiten Landschaft in Form eines Vergleichs wiedergeben.

Hardware:
Bezeichnung: Packard Bell EasyNote V7900
Prozessor: Intel Core Duo T2300 @ 1,66GHz
Arbeitsspeicher: 1GB DDR-RAM
Grafikkarte: ATI Mobility Radeon X1600

Kandidaten (beide 32 Bit):
Fedora 10 KDE-Version (frei verfügbar; ext3 als Dateisystem)
Windows 7 Ultimate Beta (bis zum 1. August 2009 nutzbar; NTFS als Dateisystem)

Info: Im Artikel verwende ich den Ausdruck “Linux” nicht für den Kernel selbst, sondern für den gesamten Bereich rund um GNU/Linux.

Installation
Die Installation von Windows 7 gestaltet sich gleich wie im Vorgänger Vista und geht deshalb gewohnt leicht von der Hand. Jene von Fedora 10 braucht sich aber nicht zu verstecken, denn in Sachen Benutzerfreundlichkeit kann man es mit dem Redmonder Pendant auf jeden Fall aufnehmen. So muss der User neben der gewünschten Paritionierung nur noch Angaben zur Zeiteinstellung und den Benutzerdaten machen. Neben dem Vorteil einer Live-CD (je nach Wahl), bei der man Fedora 10 vor der Installation testen kann, ist das freie Betriebssystem deutlich schneller auf der Platte als Windows 7. Anzumerken ist auch noch, dass der bei Fedora enthaltene Bootmanager GRUB automatisch einen Eintrag für das Fenster-OS anlegt, während umgekehrt auf ein entsprechendes Feature geschissen verzichtet wird.

Fedora 10 (links) – Windows 7 (rechts)

Ausstattung
Nach der Installation habe ich mir einmal den Speicherverbrauch der beiden Testkandidaten angeschaut, sowohl auf der Festplatte als auch im Arbeitsspeicher.

Fedora 10 (links) – Windows 7 (rechts)

Wie man auf den Bildern sehen kann, scheint Fedora 10 auf der HDD um Ecken genügsamer zu sein als Windows 7, was auch die schnellere Installation erklären würde. Ob tatsächlich auch wirklich weniger Arbeitsspeicher vom Betriebssystem gebraucht wird, konnte ich leider nicht ermitteln, da es bei Windows 7 ungewiss ist, wie viel vom verwendeten RAM gecached wird. Da Microsofts jüngster Spross jedoch höhere Mindestanforderungen besitzt, kann man davon ausgehen.

Fedora 10 (links) – Windows 7 (rechts)

Fedora 10 wirkt im Vergleich zu Windows 7 wie ein Rundum-Sorglos-System, denn vom FTP-Client über einen Instant Messenger bis hin zur Office-Suite ist bereits alles an Bord. Wie immer liefert Microsoft sein Betriebssystem ohne ein Office-Paket aus. Fedora 10 hingegen wird mit vorinstalliertem KOffice angeboten, welches eine einfache Alternative zu kostenpflichtigen Office-Lösungen darstellt. Für beide Systeme kann jedoch auch OpenOffice nachinstalliert werden, wobei sich das unter Windows ein wenig leichter gestaltet. So braucht ihr nur die Installationsdatei von der Projektseite runterladen und ausführen, während man bei Fedora einzeln die diversen OpenOffice-Pakete im Paketmanager YUM auswählen muss. Dieser Manager stellt aber auch einen Vorteil dar, denn dadurch lassen sich Programme einfach installieren, deinstallieren und aktualisieren, ohne dafür jemals den Internet-Browser öffnen zu müssen. Unter Windows hat die Software-Verwaltung einen ähnlichen Nutzen, wobei nur das Deinstallieren unterstützt wird.

Treiber, Flash und Co.
Einer der wohl größten Kritikpunkte und Nachteile in den verschiedenen Distributionen der Linux-Welt, ist das Fehlen bzw. die komplizierte Installation von proprietärer Software und Treiber. Während Adobes Flash und Suns Java schnell und unkompliziert auf dem Rechner landen, hapert es vor allem bei Treibern im Grafikkarten-Sektor. Maßgeblich an diesem Dilemma beteiligt ist die  Firma AMD/ATI. Mit der Übernahme von ATI durch AMD hat sich dieser Zustand zwar gebessert, aber die Treiberinstallation unter Fedora 10 erwies sich als alles andere als Einsteigerfreundlich bzw. funktionstauglich und so musste auf einen modifizierten Treiber zurückgegriffen werden. Unter Windows 7 konnte der aktuelle Treiber bequem auf der ATI-Website heruntergeladen und anschließend einfach installiert werden. Mit Version 7 des Betriebssystems werden die Treiber auch im Windows Update-Programm berücksichtigt und so kommt man endlich ohne manuelle Suche und Neuinstallation in den Genuss neuerer Versionen.

Dadurch, dass der MP3-Codec nicht mit dem Lizenzsystem von Fedora vereinbar ist, muss man sich diesen vor dem Lauschen der eigenen Musiksammlung erst herunterladen. Ebenso läuft es mit den diversen Videoformaten, darunter auch jenes für die Wiedergabe von DVDs, ab. Im Internet finden sich jedoch haufenweise einfache Anleitungen, damit jeder diese Features voll nutzen kann.

In der Hardware-Verwaltung unter Windows wurde uns ein Gerät als “unbekannt” angezeigt und nur anhand der Geräte-ID konnten wir bei der Verwendung von Google einen (1 !!!) passenden Treffer finden. Wie sich herausstellte, war dieses Device für die Verwendung der Funktionstasten zuständig. Da wir mit einem Notebook arbeiten, sind diese Tasten natürlich enorm wichtig – und trotzdem konnte keines der beiden Systeme diese in der Standardausführung nutzen. Auf der Hersteller-Seite des Notebooks ließ sich der Treiber für Windows XP herunterladen, der auch unter Windows 7 seinen Dienst verrichtete. Von einem entsprechendem Linux-Treiber fehlte dort jedoch jede Spur und so muss man wohl oder übel darauf verzichten. Ich weiß nicht, wie das mit anderen Laptops aussieht, also ist diese Erfahrung mit Vorsicht zu genießen.

Linux hat auch einen schlechten Ruf im Bezug auf die Unterstützung von Soundkarten/-chips. Im Test funktionierte der Sound aber von Haus aus ohne Probleme. Also unter Fedora 10. Unter Windows 7 blieben die Lautsprecher stumm, erst nach kurzer Recherche und anschließender Installation des benötigten Treibers machte sich das System auch akustisch bemerkbar.

Die Netzwerkadapter (LAN und WLAN) wurden von beiden Kandidaten selbstständig erkannt und konfiguriert. Dementsprechend einfach war das Einrichten einer Verbindung zu einem WLAN-Access-Point, denn sobald dieser aufgestöbert wurde, poppte diesbezüglich ein Eingabefeld auf, in dem man nur noch den Netzwerkschlüssel (im Test WPA) eingeben und anschließend lossurfen konnte.

Wurde anstelle von WPA mit einer Kennung, WPA mit Benutzerauthentifizierung verwendet, so ließen beide Prüflinge den Anwender im Regen stehen. Fedora 10 gelang es einfach nicht, eine Verbindung herzustellen und in der Beta zu Windows 7 stürzte der Explorer bei jedem Versuch, die Verbindungseigenschaften zu öffnen, ab. Mit Hilfe eines äußerst Praxis-fernem Workaround konnte zumindest das Drahtlosnetzwerk eingerichtet werden, der Bug blieb jedoch weiter bestehen.

Die Systeme haben bei der Unterstützung von Hardware und Software also beide ihre Tücken, wobei Windows 7 noch im Beta-Status ist und der Linux-Kernel und Fedora auch ständig weiterentwickelt werden. Soll heißen, dass sich das alles in absehbarer Zeit ändern kann.

Benchmarks
Auf Benchmarks wollte ich eigentlich weitestgehend verzichten, da Linux meiner Meinung/Erfahrung nach eher weniger zum Spielen eingesetzt wird und aufgrund der fehlenden Unterstützung durch die meisten Entwickler auch nur bedingt dafür geeignet ist.

Da es allerdings doch ein paar grandiose Spiele gibt, die auch nativ für Linux entwickelt worden sind, werde ich der Vollständigkeit halber die Ergebnisse des Unreal Tournament 2004-Benchmarks mit folgenden Einstellungen anführen:

dm-rankin?spectatoronly=1?numbots=12?quickstart=1?attractcam=1 -benchmark -seconds=77 -ini=default.ini -exec=../Benchmark/Stuff/botmatchexec.txt

Angaben in Bildern pro Sekunde

Energie sparen – Standby, Ruhezustand etc.
Bei Laptops oft wichtig sind die typischen Stromsparfunktionen “Standby” und “Ruhezustand”, bei denen die aktuelle Sitzung in den Arbeitsspeicher bzw. auf die Festplatte gespeichert wird. Da es unter Linux häufiger Probleme mit diesen Modi gibt, gehe ich hier darauf ein. Auch unser Testsystem blieb von diesem “Klischee” nicht verschont und fiel hierbei in allen Belangen durch. Sogar beim normalen Herunterfahren spielte Fedora nicht mit und hing sich auf. Die einzigen Möglichkeiten zum Ausschalten sind also ein brutaler Fünf-Sekunden-Power-Taste-Druck bzw. ein Neustart mit anschließendem Antippen der Power-Taste, sobald der Bios-Screen erscheint. Windows 7 hingegen spielte ziemlich unspektakulär ohne Murren mit.

Und Ubuntu?
Die derzeit wohl bekannteste Linux-Distribution Ubuntu steht natürlich in aller Munde und ist auch dementsprechend interessant für viele Leute. Im Vergleich zu den beiden getesteten Kandidaten funktioniert die Verwendung der Funktionstasten direkt nach der ersten Inbetriebnahme des Systems, die Installation der Grafikkartentreiber gestaltet sich einfacher als auf jedem mir bekannten Betriebssystem und alle WLAN-Netzwerke wurden ohne Wenn und Aber erkannt und verbunden. Einzig die unter dem Punkt “Energie sparen” erwähnten Fehler treffen auch auf Ubuntu zu. Dies alles gilt jedoch nur für Version 8.04, denn unter neueren Ausgaben wird die verwendete Grafikkarte nicht mehr unterstützt bzw. macht Probleme mit dem verwendeten X-Server.

Fazit
Wie bereits erwähnt, gilt dieser Erfahrungsbericht nur für die verwendete Hardware, es kann also bei anderen Notebooks und PCs komplett anderes aussehen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, euch die beiden Systeme ein wenig näher gebracht und deren Unterschiede zumindest oberflächlich beleuchtet zu haben. Fedora 10 kann ich jedem ans Herz legen, der seinen Rechner nur für Office-Arbeiten und/oder zum Programmieren verwendet, während ich Vielspielern und Leuten, die auf bestimmte kommerzielle Software angewiesen sind, eher zu Windows XP/Vista  bzw. Mac OS X rate. Eine Empfehlung für Windows 7 gebe ich deshalb nicht ab, da es noch im Beta-Stadium ist, einige Bugs enthält und nur eingeschränkt zur Verfügung steht.

Natürlich sollte man auch über den Tellerrand schauen und nicht nach der Regel “was der Bauer nicht kenn, das isst er nicht”, stur durch den Computer-Alltag trotten. Man muss auch unbedingt bedenken, dass Fedora, Ubuntu und Co. im Gegensatz zu Windows und Mac OS X kostenlos UND legal  sind. Wem also Fedora 10 zu “einsteigerfeindlich” bzw. fehlerhaft ist, der ist mit der Distribution Ubuntu oder dessen jüngeren Bruder Linux Mint am besten bedient. Beide dieser Systeme sind besonders Einsteigerfreundlich und zumindest ersteres hat sich auch in der Version 8.04 bereits auf dem Testsystem bewährt.


Leave Your Comment

Your email will not be published or shared. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>